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Pille ja, aber Finger weg von meinem Lifestyle!

Ob Diabetes mellitus Typ 2, arterielle Hypertonie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die sogenannten Zivilisationskrankheiten sind weltweit auf dem Vormarsch. Trotz einer Vielzahl möglicher Ursachen ist es vor allem der Lebensstil, der zu ihrer Entstehung beiträgt. Übergewicht, Fehlernährung, mangelnde Bewegung sowie Alkohol- und Nikotinkonsum machen auf Dauer zweifelsfrei krank. Obwohl die Zusammenhänge weitreichend bekannt sind, können viele Menschen nicht von ihren Lastern lassen. 

Dies ändert sich in der Regel auch nicht, wenn bereits krankhafte Veränderungen diagnostiziert wurden. Dabei können die genannten Erkrankungen im Anfangsstadium effektiv durch eine Veränderung des Lebensstils behandelt werden. Regelmäßiger Sport, eine Gewichtsabnahme und Ernährungsumstellung können den Einsatz von Medikamenten sogar gänzlich überflüssig machen. Für viele Patienten stellt dieser kostengünstige und nebenwirkungsarme Therapieansatz jedoch eine unüberwindbare Hürde dar. Im April 2018 stellten Forscher der Yale School of Medicine beim Kongress „Care and Outcomes Research“ der American Heart Association die Ergebnisse ihrer Untersuchung zu Therapiepräferenzen von US-amerikanischen Studienteilnehmern vor. Im Rahmen ihrer Studie nahmen 1384 Personen an einer Umfrage teil und sollten sich, unter der Annahme an arterieller Hypertonie zu leiden, zu vier möglichen Therapieoptionen äußern. Zur Auswahl standen drei tägliche Interventionen zu denen Sport und die Einnahme einer Tasse Tee oder Pille gehörten oder monatliche beziehungsweise halbjährliche Injektionen. Die Teilnehmer sollten entscheiden, ob sie die Therapien akzeptieren würden, um ihr Leben um einen Monat, ein Jahr oder fünf Jahre zu verlängern. 

Die höchste Akzeptanz erzielte die Pilleneinnahme. Für die Aussicht einer einmonatigen Lebensverlängerung waren 79% der Teilnehmer bereit tägliche ein Medikament einzunehmen. Bei einem Jahr oder fünf zusätzlichen Jahren waren 90% und 96% mit einer täglichen Einnahme einverstanden. Ähnlichen Zuspruch zeigte die tägliche Tasse Tee, bei der die Bereitschaft entsprechend 78%, 91% und 96% betrug. Im Gegensatz dazu waren halbjährliche Injektionen weniger beliebt und würden von jeweils 68%, 85% und 93% der Befragten toleriert werden. Sport hingegen kam für viele nur mit einem deutlichen Nutzen in Fragen. So würden sich lediglich 63% der Teilnehmer täglich aktiv betätigen, um ihr Leben um einen Monat zu verlängern. Mit besserer Aussicht stieg jedoch auch die Bereitschaft und erreichte bei einem Jahr 84% und lag in Hinblick auf den längsten Zeitraum mit 93% nur knapp hinter den beiden favorisierten Behandlungen. Als unbeliebteste Therapie stellten sich monatliche Injektionen heraus und wichen in ihrer Akzeptanz deutlich von den anderen Auswahlmöglichkeiten ab. 

Die Autoren betonen, dass die Aussagekraft ihrer Studie begrenzt sein kann, da das Alter bei einem Großteil der Teilnehmer unter 45 Jahren lag. Jedoch liefert sie gleichzeitig Erkenntnisse darüber, wie Personen die Vor- und Nachteile von Therapien bewerten und ihre Behandlungsbereitschaft beeinflusst werden kann. Letztlich gilt es in der Behandlung chronischer Erkrankungen nicht nur die objektiven Vor- und Nachteile einer Therapie abzuwägen, sondern auch die subjektive Bewertung der Patienten einzubeziehen. Auch wenn die regelmäßige Einnahme eines Medikaments vielen als die bequemste Option erscheint, sollte sie nicht die Therapie der ersten Wahl sein, wenn ähnliche Effekte durch die Beeinflussung von Lifestylefaktoren erzielt werden können. Dabei muss jedoch ein besonderes Augenmerk auf die persönlichen Hindernisse und individuellen Anreize gelegt werden, um die Bereitschaft für Veränderungen zu steigern und eine effektive Therapie sicherzustellen.

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