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Bluthochdruck über Nacht?

Die arterielle Hypertonie stellt mit mehr als einer Milliarde Erkrankter ein globales Gesundheitsproblem dar. Fehlende oder nur schwach ausgeprägte Symptome führen dazu, dass sie häufig vernachlässigt und bei mangelnder Vorsorge erst spät diagnostiziert wird. Unbehandelt führt sie im Verlauf zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen und trägt in hohem Maße zur vorzeitigen Sterblichkeit bei.
Gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt der normale Blutdruck bei einem systolischen Wert von 120 mmHg und einem diastolischen Blutdruck von 80 mmHg.
Als optimal und kardioprotektiv werden jedoch Werte unter dem normalen Blutdruck angesehen. Die arterielle Hypertonie beginnt definitionsgemäß ab Werten von 140/90 mmHg. Der Bereich zwischen dem normalen Blutdruck und der leichten Hypertonie wurde bisher als, hochnormal, erhöht oder Prähypertonie bezeichnet.

Seit Mitte November werden die bisherigen Grenzwerte jedoch hinterfragt. In den neuen Richtlinien der American Heart Association (AHA) und des American College of Cardiology (ACC) werden die Blutdruckgrenzen erstmals seit 14 Jahren gesenkt. Demnach beginnt die arterielle Hypertonie ersten Grades bereits ab 130/80 mmHg. Somit wurden über Nacht mehr als 30 Millionen Menschen in den USA zu potenziellen Blutdruckpatienten. Die beiden Fachgesellschaften begründen ihre Entscheidung mit der bestehenden Evidenzlage, nach der niedrigere Blutdruckwerte vor allem für kardiovaskuläre Ereignisse zu einer deutlichen Risikoreduktion beitragen. Des Weiteren sollen die neuen Richtlinien die Öffentlichkeit für die Risiken der arteriellen Hypertonie sensibilisieren und zum frühzeitigen Handeln bewegen. Die Fachgesellschaften betonen jedoch, dass die neuen Grenzwerte kaum Auswirkung auf die Verschreibung neuer Blutdruckmittel haben werden, da sie bei beginnender Hypertonie zunächst eine Veränderung des Lebensstils zur Blutdrucksenkung empfehlen. Es wird auch davon ausgegangen, dass zeitnah weitere Fachgesellschaften dem US-amerikanischen Beispiel folgen und ihre Grenzwerte senken werden. Die neuen Richtlinien erweckten global großes mediales Interesse, sodass zumindest ein Ziel der AHA und ACC erreicht wurde. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sie zu einer Senkung der mit arterieller Hypertonie assoziierten Folgeerkrankungen und Komplikationen beitragen werden. Letztlich gehören jedoch Aufklärung, regelmäßige Blutdruckkontrollen und frühzeitige Therapie zu den effektivsten Maßnahmen im Kampf gegen die arterielle Hypertonie und ihre Folgeerkrankungen.

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